Philipp (Mechatronikstudent  im 4. Semester) hat einige Zeit seines Praxissemesters im Ausland verbracht: Er war in Kanada. Hier gibt er Euch einen kleinen Einblick, wie seine Zeit dort war und was er alles erlebt hat:

Frankfurt 08.05.2017: Ungeduldig sitze ich auf meinem schwarzen Koffer, meine Augen fokussieren eine Boeing 757 der „Iceland Air“. Ihr Reiseziel: Edmonton-Kanada. Nach einer schier endlos scheinenden Warterei ist es dann endlich so weit. Aus der Lautsprecheranlage ertönt die lang ersehnte Stimme: „Aufruf zum Boarding, Flugnummer 521“.

Durch den Vorschub der Triebwerke in den Sitz gepresst, blicke ich noch einmal aus dem Fenster – „Tschüss Deutschland“. Nach Zwischenstopp und Umstieg in Reykjavik setzen gut zwölf Stunden später die Räder des Flugzeuges wieder auf und die Stimme des Piloten knackt aus der Flugzeuganlage: „Welcome to Canada“.

„Willkommen in Kanada“ ist nicht nur eine Floskel – eine Aneinanderreihung von Worten – sondern hier klingt deutlich die spürbare Lebenseinstellung durch. Ich fühlte mich in Kanada sofort wirklich willkommen und das war nicht nur eine Momentaufnahme. Zu keiner Zeit fühlte ich mich dort fremd oder allein. Allgegenwärtig war die Offenherzigkeit der Kanadier – gerade auch bei der Arbeit. Müsste ich das Arbeitsklima anhand eine Liedes beschreiben, gäbe es kein passenderes, als das Lied von Sister-Sledge: „Wi ka Family“ (We are Family).

Noch etwas müde von der Anreise betrat ich bereits am nächsten Tag mit etwas Herzklopfen unsere Niederlassung in Edmonton. Mein zunächst flaues Gefühl: „Was kommt denn nun auf mich zu“, war nach der sehr herzlichen Aufnahme schnell verflogen. Ich fühlte mich sofort heimisch und war rasch auf Betriebstemperatur. Was auch passend war, da dort im Unternehmen hauptsächlich elektronische Sensoren zur Temperaturmessung hergestellt werden. Mit einem klaren Projektauftrag betraut, ging ich ans Werk. In einem Zeitraum von zehn Wochen erarbeitete ich dort neue Prozesse, die eine effizientere und kostensparendere Herstellung des TC46-Thermoelementes ermöglichen.

Berge, Grizzly’s and much more – Welcome to Canada

Die Nordlichter in smaragdgrüner Farbe

Neben der Produktionslinie des Typs TC46 gab es im zweigrößten Flächenland der Erde allerdings noch einiges mehr zu entdecken. So verging nicht nur die Arbeitswoche wie im Flug sondern auch die Wochenenden. Unvergesslich war gleich mein zweites Wochenende: Wildwestfeeling pur! Entspannt zurückgelehnt am knisterndem Lagerfeuer lauschte ich dem schaurigen Ruf der Kojoten, die in der Ferne den Mond anheulten. Dabei bot sich mir ein unbeschreiblich schönes Naturschauspiel. Stundenlang tanzten und rauschten die Nordlichter in einer smaragdgrünen Farben über uns hinweg. Man fühlte sich in die Zeit zurückversetzt, in der die Ureinwohner durch die Steppe zogen und bei diesem Schauspiel ihre Götter verehrten. Unglaublich! Unvergesslich!

Bei einem Ausflug in die naturbelassenen Rocky Mountains konnte ich den „Spirit“ Kanadas weiter erleben. Kleine Erdmännchen schauten verdutzt in das Objektiv meiner Kamera, Schwarzbären futterten neben meinem Auto gemütlich Löwenzahn und ignorierten mich, in dem Bewusstsein, dass sie die wahren Herren sind. Hohe Berge und atemberaubende Landschaften wechselten sich ab, die so irreal wirkten, als hätte jemand eine Bild-Montage aufgestellt,  Und dann kam es: Mein persönliches Highlight! Herbeigesehnt, erhofft, aber nicht wirklich daran geglaubt. Da war er: Ein ausgewachsener Grizzlybär tappte nur einen „Bärensprung“ neben meinem Mietwagen majestätisch vorbei. Er zeigte mir und den anderen Touristen die kalte Schulter und verschwand, nachdem er von uns genug hatte, gelangweilt im Dickicht.


Nach diesen „natürlich“ schönen Wochenenden, ging es wieder zurück nach Edmonton. Eine Stadt mit 800.000 Menschen, die doch vergleichsweise ruhig anmutete. Für mich als Odenwälder-Landei durchaus angenehm. In Edmonton legt man sehr viel Wert auf gute Lebensqualität und gutes Essen. Da bekanntlich in Nordamerika alles „bigger“ ist, habe ich mich selbstverständlich angepasst und am Ende meines Aufenthaltes meine Gürtelschnalle ein Loch weiter gestellt.

Edmonton 14.07.2017: So schnell sind zehn Wochen vorbei. Ich sitze wieder auf meinem schwarzen Koffer und lasse vor meinen Augen nochmal alles Revue passieren. Tolle Arbeitskolleg*innen, wunderbare Landschaften „and much more“. Als das Flugzeug schließlich abhebt, blicke ich noch einmal aus dem Fenster und denke: „See you again, Canada“!

Viele Grüße
Philipp Lausberger



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