Kegelgewinde kalibrieren

Grundsätzlich findet bei Längenmessgeräten eine Unterscheidung in messende Prüfmittel und Lehren statt. Unter den Lehren lassen sich als Besonderheit die kegeligen Gewindelehren nennen. Bei einer kegeligen Gewindelehre handelt es sich um einen dreistufigen Ring. Diese werden bei WIKA beispielsweise zur Kontrolle von Prozessanschlüssen der produzierten Geräte verwendet. Im Gegenzug finden diese Prüfmittel auch zur Überprüfung der Lieferung Anwendung.

Elementar bei kegeligen Gewindelehren ist, dass der Prüfling die erste Stufe erreichen muss (andernfalls ist das Gewinde zu groß) und die letzte Stufe nicht überschreiten darf. Die mittlere Stufe stellt in diesem Zusammenhang das optimale Maß dar. In der Vergangenheit wurde bei einer Kalibrierung der Lehren mit einem Masterdorn lediglich die Aussage getroffen, ob das Gewinde passt oder nicht. Informationen über die Verhältnisse des Flankendurchmessers konnten nicht abgeleitet werden und folglich war auch kein Rückschluss auf die Verschleißentwicklung möglich. In der ISO 9001 sind beispielsweise auch die Flankendurchmesser thematisiert. Eine damit einhergehende Kalibrierung bedeutet, die Istmaße des Flankendurchmessers zu ermitteln. Bei einem Kegelgewinde wird hierfür ein maschinengestütztes Verfahren benötigt.

Durchführung einer Kalibrierung bei WIKA

Um sowohl eigene, als auch kegelige Gewindelehren von Kunden in dem herstellerunabhängigen Kalibrierlabor von WIKA kalibrieren zu können, kommt der von Carl Zeiss Jena entwickelte Abbe-Komparator zum Einsatz. Gemäß dem Abbe-Prinzip zum Aufbau von Längenmessgeräten liegen Messskala und Prüfling in einer Flucht, um eine möglichst hohe Genauigkeit zu erzielen. Auf Basis des Heidenhain-Maßstabs wird die Referenz mittels eines inkrementales Verfahrens festgelegt und die Messstriche von einem Sensor erfasst. Der Nullpunkt kann an jeder Stelle der Skala gesetzt werden.

In Verbindung mit diesem Messsystem kommt ein induktiver Messtaster mit zwei Rubinkugeln zum Einsatz. Deren Durchmesser basiert auf dem zu messenden Gewindegang. Unter dem Messtaster befindet sich der sog. Sinustisch, der die zu prüfenden Gewindelehren aufnimmt und auf welchem der Prüfling fixiert wird. Zu diesem Zeitpunkt hält ein 30 mm Parallelendmaß dessen Oberfläche exakt eben. Im 2. Schritt wird der Sinustisch um eine halbe Kegelstufe abgesenkt, sprich: auf ein 26,7 mm Endmaß gesetzt, und der Messtaster in den Gewindegang der nun ebenen Kegelseite eingeführt. Danach wird der Sinustisch auf ein 31,123 mm Endmaß erhöht und die gegenüberliegende Stelle des Gewindes gemessen. Anschließend wir die Lehre um 180° gedreht, um die andere Kegelbreite aufzunehmen. Aus den vier Messpunkten resultieren die Istmaße des Flankendurchmessers. Aufgrund der Erkenntnisse über die aktuellen Kegelverhältnisse leitet sich die weitere Abnutzung ab. Somit können Gewindelehren rechtzeitig ausgetauscht und unpräzise Messungen vermieden werden.

Hinweis
Bei Fragen steht Ihnen unser Serviceteam werktags von 7 bis 16 Uhr (Fr. bis 15 Uhr) unter der Telefonnummer +49 9372 132-5049 gerne zur Verfügung. Nähere Informationen zu unserem Kalibrier- und Service-Center erhalten Sie auf der WIKA-Webseite.

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